VerdammteAxt

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Dienstagabend – irgendwo im Netz

Ein bunter Teilnehmer-Kreis

Neunzehn Teilnehmende kamen am 27. April 2021 zur Online-Veranstaltung „Verdammte Axt! Ein Gespräch zum Baumschutz in Beelitz“ zusammen. Unter den Interessierten waren Bürgerinnen und Bürger aus Beelitz und den Ortsteilen, Stadtverordnete dreier Fraktionen sowie Sachverständige aus den Bereichen Umwelt und Naturschutz. Der Abend mit Vortrag, Fragerunde und Diskussion wurde von Sara Ackermann professionell geleitet.

Informationen zum Mehrwert alter Bäume

Zu Beginn informierte Frau Dr. Baumann in der bunten Präsentation „Einfach neu pflanzen? Warum ein alter Baum nur schwer zu ersetzen ist“ über die vielfältigen Funktionen, die Stadtbäume für uns erfüllen. Insbesondere große alte Bäume sind bedeutende Filter für die Stadtluft. Sie nehmen Kohlendioxid auf, binden Feinstaub und Luftschadstoffe und produzieren bedeutende Mengen „frischer Luft“. Die Rolle von Bäumen für den Wasserhaushalt, die Kühlung und Beschattung von Wohngebieten wurde angesprochen, auch ihre Wirkung gegen Erosion. Am Beispiel einer Eiche wurde gegenübergestellt, wieviel größer die Wirkung eines alten Baumes im Vergleich zu einem neu gepflanzten ist.

Vergleich der Leistungen, die ein junger und ein alter Baum kostenfrei zur Verfügung stellt: Neu gepflanzte Eiche (5 Jahre alt, 1m Kronen-Durchmesser) gegenüber einer mittelalten Eiche (60 Jahre alt, 15m Kronen-Durchmesser)

So spendet eine 60jährige Eiche ca. 150-mal mehr Schatten, kühlt die Umgebungsluft 10-mal mehr herunter, produziert 300-mal mehr Sauerstoff, bindet 250-mal mehr Regenwasser und bietet Hunderten von Tierarten einen Lebensraum. Um die Leistung eines solchen Baumes zu ersetzen, müsste man also entweder 300 Bäume pflanzen oder 60 Jahre warten. In der Praxis wird ein gefällter Baum heute meist durch 1 neu gepflanzten Baum ersetzt – gesetzlich legitim und langfristig akzeptabel, kurzfristig aber ein deutlicher Verlust an Umwelt-Leistungen und Wohnqualität.

Sachkundige Antworten aus der unteren Naturschutzbehörde

Im Anschluss an den Vortrag stand Juliane Scheffler-Lembcke von der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark den Fragen der Teilnehmenden zur Verfügung. Es wurde geklärt, wer zuständig ist, wenn in Beelitz und Umgebung ein Baum gefällt werden soll und welchen Schutz Bäume im Landschaftsschutzgebiet haben. Bei den Zuständigkeiten wurde deutlich, dass bei Baumfällungen im Außenbereich eine Prüfung durch die untere Naturschutzbehörde erfolgt, innerhalb von Beelitz aber keinerlei Einschränkungen bestehen. Die Waldgemeinde Fichtenwalde mit ihrer Baumschutzsatzung stellt hier eine Ausnahme dar. Die Prüfung von Bebauungsplänen, wie zum Beispiel dem Plan für die Baumaßnahmen in Beelitz-Heilstätten, erfolgt wiederum von anderen Mitarbeitern der Behörde. Frau Scheffler-Lembcke äußerte sich sehr positiv und lobte die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Beelitz und seiner Verwaltung, wenn es um die Erhaltung alter Bäume und um Ersatzpflanzungen geht.

Themen der Diskussion

In der Diskussion wurden die widersprüchlichen Auswirkungen der Baumschutzsatzung in der Waldgemeinde Fichtenwalde thematisiert. Bei einer Umwidmung von Waldgrundstücken in Siedlungsgebiet nutzen offenbar viele Eigentümer eine gesetzliche „Lücke“, um auf dem Grundstück sämtliche Bäume zu fällen. Die Teilnehmenden diskutierten verschiedene Möglichkeiten, für alte Bäume einen wirksameren Schutz zu erzielen: Brauchen auch andere Ortsteile von Beelitz eine Baumschutzsatzung? Kann der Denkmalschutz helfen? Wie sind alte oder landschaftsprägende Bäume im Landschaftsschutzgebiet geschützt? Könnte man in Bebauungsplänen einen Mindestbaumbestand festhalten? Wie steht es um das Baumkataster in Beelitz? Welche Wege gäbe es, um Beelitzer Bürgerinnen und Bürger regelmäßig über die Anzahl gefällter und nachgepflanzter Bäume zu informieren?

Und jetzt?

Die Breite der Diskussion und das Interesse der Teilnehmenden hat uns gezeigt, das wir das Format Online-Gespräch in Zukunft fortsetzen möchten. Manche Themen der Diskussion hätten sicher eine eigene Veranstaltung verdient. Wir bleiben dran, informieren weiter und hoffen, auch auf anderem Wege Personen zum Thema Baumschutz in Beelitz zu interessieren.

Dr. Gisela Baumann

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