Spargelfeld kurz vor der Ernte

Spargelfeld kurz vor der Ernte

Spargel! Ohne Folie?

Presseinformation der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Brandenburger Landtag :

Lila Spitzen aus Brandenburg – wie geht ressourcenschonender und naturverträglicherer Spargelanbau?

Potsdam, 02.04.2022

Am Mittwoch führte die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE Grünen im Brandenburger Landtag ein Fachgespräch zum Thema Spargelanbau durch, wobei der Einsatz von Agrarfolie im Mittelpunkt stand. Isabell Hiekel, umwelt- und agrarpolitische Sprecherin der Fraktion, fasst die Ergebnisse zusammen und kommentiert:

Brandenburgerinnen und Brandenburger sollen in Zukunft mehr regionalen Spargel ohne Folienernte in den Hofläden und regionalen Verkaufsstellen finden. Dazu müssen Landwirt*innen Alternativen zur bestehenden Anbaupraxis nahegebracht werden. Gut, dass das Agrarministerium dies im Rahmen seines ‚7-Punkte-Maßnahmenplan für besseren Umgang mit Kunststoffen‘ vorantreibt.

Isabell Hiekel weiter: Ich freue mich, dass es auch Spargelbäuerinnen und Spargelbauern gibt, die zumindest ansatzweise auf Folieneinsatz verzichten und ganz bewusst auf die Vermarktung von sogenannten ‚Öko-Spargel‘ setzen, der aufgrund der Lichteinwirkung auch lila Spitzen haben darf. Mit einer Vermarktungsstrategie für Spargel mit lila Spitzen können die Verbraucher*innen für einen folienfreien Spargelanbau sensibilisiert werden. Unser Fachgespräch hat ergeben, dass die Nachfrage durchaus besteht.

Agrarfolie ist ein wertvoller Rohstoff und darf nicht auf den Äckern zurückbleiben und die Böden belasten. Wir brauchen einen ressourcenschonenden und naturverträglichen Umgang mit der Folie. Ich begrüße es daher sehr, dass die Initiative ERDE, mit der auch das Brandenburger Agrarministerium zusammenarbeitet, das Recycling von Agrarfolie deutschlandweit vorantreibt und bereits viele Händler*innen für den Ressourcenschutz gewinnen konnte. Um dieses System auch in Brandenburg weiter auszubauen, braucht es eine bessere Information und stärkere Sensibilisierung der Landwirtinnen und Landwirte.“

Hintergrund:

Der Anbau unter Folie ist bei den Kulturen Spargel, Erdbeeren, Einlegegurken und Salat üblich. Das gilt sowohl für den konventionellen als auch für den ökologischen Anbau. In Brandenburg wird auf drei Viertel der Spargelanbaufläche Folie zur Ernte eingesetzt. Das entspricht einer Anbaufläche von über 3.000 Hektar. Weitere 1.000 Hektar befinden sich im ersten und zweiten Anbaujahr ohne Ernte, also auch ohne Folie. Nur ein kleiner Teil des Spargelanbaus erfolgt ohne Folie, oft im Nebenerwerb. Aus Sicht des Berufsstands hat der Spargelanbau mit Folie Vorteile für die Qualität der weißen Stangen, den Wasserhaushalt und den Erhalt den Bodens. Doch es gibt auch deutliche Nachteile: Die großen Flächen mit Agrarfolie über die gesamte Zeit der Spargelernte haben Auswirkungen auf das Landschaftsbild, den Lebensraum vieler Arten der Agrarlandschaft und belasten den Boden mit Folienresten.

Die Initiative ERDE ist seit 2013 aktiv und fördert über ein deutschlandweites Netz von Sammelstellen und die Kooperation mit Folienherstellern und dem Handel das Recycling von Agrarfolie. Darüber hinaus sammelt die Initiative Daten, um den Einsatz von Agrarfolie und das Recycling transparenter zu machen.

Hier finden Sie den Mitschnitt und die Präsentationen des Fachgesprächs:

https://gruene-fraktion-brandenburg.de/veranstaltungen/fuer-und-wider-des-folienanbaus

Mitschnitt des Online-Fachgesprächs

Vortrag von Isabell Hiekel:

Vortrag von Malte Voigts:

Vortrag von Thomas Syring, ökologischer Spargelbauer aus Zauchwitz:

Vortrag von Dr. Lorena Fricke (Initiative ERDE) – Potenziale und
Möglichkeiten des Recyclings von Agrarfolie:

Was kam davoen in der örtlichen Presse an?: Artikel aus der MAZ vom 2.4.23022 geschrieben von Rüdiger Braun:

Kommentar des Vorstands des Ortsverbands B’90/Die Grünen Beelitz:

Leider fehlte aus Krankheitsgründen der Inputvortrag von Dr. Torsten Langgemach, Staatliche Vogelschutzwarte am Landesamt für Umwelt (LfU) über die Auswirkungen des Folienanbaus auf die Vogelwelt am Beispiel des Europäischen Vogelschutzgebietes „Mittlere Havelniederung“.

Dadurch bekam das Fachgespräch leider einen einseitigen Touch in den Vorträgen. Die negativen Auswirkungen auf Landschaft, Biodiversität und die öffentliche Wahrnehmung durch die benachbarte Bevölkerung wurde ausführlich in den kommentierenden Redebeiträgen beleuchtet, fanden aber leider zu wenig Eingang in den Zeitungsbericht. Bei den Zahlen zu recycelten Folien bleibt die Frage, was mit den 50% nicht recycelten Folien passiert. Auch fand keinen Eingang in den Artikel die Tatsache, dass die Bevölkerung in Nachbarschaft der Spargelfelder immer wieder Folienreste in den umliegenden Feldern und Wäldern beklagt. Ein Vorschlag, Spargelfolien nur kurz vor der Ernte, bis zur Ernte, also von März bis Juni (4 Monate) zu benutzen wurde diskutiert und dabei beklagt, dass viele Betriebe Folien über 10 Monate, von September bis Juni auf den Feldern liegen haben und dabei jegliche Biodiversität verhindern.

Hier noch einige abschreckende Fotos von umherfliegenden Folienresten mit der Aufforderung an Spargelbetriebe, verantwortungsvoller mit Folien in der Agarlandschaft umzugehen:

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